Einleitung

Die medikamentöse Dauertherapie von Patienten wird bei der Aufnahme ins Krankenhaus und bei der Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. bei der Weiterbehandlung durch den Hausarzt häufig verändert, zum Teil geplant, zum Teil aber auch ungeplant. Zwischen den behandelnden Ärzten, Patienten und den Apotheken ist eine strukturierte und einheitliche Kommunikation im Erfurter Raum bislang nicht etabliert. Ein einheitlicher Medikationsplan, der von allen an der Behandlung beteiligten Akteuren akzeptiert, elektronisch verfügbar ist und verwendet wird, kann helfen, die Kommunikation zu verbessern und die Therapie sicherer zu machen. Deshalb gehört die Einführung eines einheitlichen Medikationsplanes zu den zentralen Vorschlägen und Anregungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und ist fester Bestandteil eines Maßnahmenkataloges zur sektorübergreifenden Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Auch die Bundesregierung hat in ihrem Aktionsplan 2010 - 2012 beschlossen, die Entwicklung eines „personenbezogenen Medikationsplanes“ zu fördern.

In einem Referentenentwurf des BMG zum E-Health-Gesetz von Januar 2015 wurde festgelegt, dass ab Oktober 2016 jeder Patient, der regelmäßig mehr als 5 Arzneimittel einnimmt, einen Anspruch auf einen Medikationsplan hat.

Medikationsplan

Der Medikationsplan enthält eine Übersicht aller einzunehmenden  verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Arzneimittel eines Patienten mit Einnahmegrund, Dosierung und Einnahmehinweisen. Basis für das Layout ist zum einen die Spezifikation 2.0 (korrigiert vom 15.12.2014) und zum anderen das Referenzinformationsmodell des patientenorientierten Medikationsplans (RIM-MP). Beide Dokumente stammen von der Koordinierungsgruppe der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zur Umsetzung und Fortschreibung des Aktionsplanes zur Verbesserung der Arzneimittel-Therapiesicherheit in Deutschland.
Grundlage für den Informationsaustausch zwischen Arztpraxen, Apotheken und dem HELIOS Klinikum im ambulanten und stationären Sektor bildet der 2D Barcode (Datamatrix-Code), der auf jedem ausgedruckten Medikationsplan vorhanden ist und alle wesentlichen Datenfelder des Medikationsplans verschlüsselt. Durch einen Scanner kann dieser Barcode abgescannt werden und der Medikationsplan aktualisiert werden.

Modellregion Erfurt

Für die Ermittlung der Akzeptanz und Praktikabilität des bundenseinheitlichen Medikationsplanes, wird zunächst ein Netzwerk, bestehend aus dem HELIOS Klinikum Erfurt, ca. 15 niedergelassenen Haus- und Facharztpraxen, einer Krankenhausapotheke sowie ca. 15 öffentlichen Apotheken im Erfurter Raum aufgebaut. Innerhalb der Modellregion ist keine Sektor übergreifende IT-Struktur vorhanden, mit der Medikationspläne über die Sektorengrenze ambulant / stationär hinweg ausgetauscht werden können. Deshalb wird eine IT-Struktur anhand der Spezifikation „Medikationsplan V2.0“ für die beteiligten Akteure aufgebaut bzw. implementiert. Teilnehmende niedergelassene Arztpraxen und Apotheken sowie teilnehmende Stationen des HELIOS Klinikums Erfurt werden mit Scannern ausgestattet, damit das Abscannen eines 2D Barcodes möglich ist. Für das Erstellen und Aktualisieren eines Medikationsplanes muss keine Software auf dem Rechner eines Projektteilnehmers installiert werden. Das entsprechende Programm ist über die Hompage des Projektes erreichbar.

Projektablauf

150 Patienten erhalten im Helios Klinikum Erfurt oder der niedergelassenen Hausarzt- oder Facharztpraxis ihren Erstmedikationsplan im DIN A4 Papierformat. Diesen können Sie innerhalb einer 12 monatigen Nachbeobachtungszeit bei einem Projektpartner vorlegen und zwar in der niedergelassenen Arztpraxis, Apotheke oder im Klinikum. Dort wird der Medikationsplan mit der entsprechenden Software aktualisiert und neu ausgedruckt. Ziel ist es, dass der Medikationsplan bei jedem Kontakt mit einem Projektpartner vorgelegt wird und dadurch sektorübergreifend geprüft werden kann.

Ziele

Mit dem Projekt soll die Akzeptanz und Praktikabilität eines Medikamentenplans seitens Patient, Arzt und Apotheker beurteilt werden. Die teilnehmenden Patienten werden vom Projektkoordinator ein Jahr lang betreut. Er befragt sie nach sechs und nach zwölf Monaten telefonisch zu ihren Erfahrungen im Umgang mit dem Medikationsplan. Analog werden auch die Stimmen der Ärzte und Apotheker erfasst.

Außerdem soll geprüft werden, wie nachhaltig vorgenommene Arzneimitteländerungen beim niedergelassenen Arzt und im Krankenhaus sind. Bei erfolgreichem Verlauf in der Modellregion Erfurt ist eine bundesweite Einführung des Medikationsplanes angedacht. Im Ergebnis kann so ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland geleistet werden.
 

 

Login

Medikationsplan

 

Projektkoordination

HELIOS Klinikum Erfurt
Krankenhausapotheke
Danny Brell
Stellvertretende
Apothekenleitung
Tel.: +49 (0) 361 781 1504
Fax: +49 (0) 361 781 1540
danny.brell@helios-kliniken.de